
Falls sie noch nie in den Genuss gekommen sind, Ihr Heim mit einem Stubentiger teilen zu dürfen, hier ein paar Tipps und Anregungen für die Anschaffung einer Katze:
Es wird oft geraten, als "Katzenanfänger" eine Babykatze zu holen, weil man die ja noch "erziehen" kann! Dem kann ich nur bedingt zustimmen, denn meine langjährige Erfahrung mit der Vermittlung von Katzen hat mir eigentlich nur gezeigt, dass Katzen sich ganz unterschiedlich entwickeln und ihr Umfeld das nur in geringem Maß beeinflussen kann!
So kommt es z.B. vor, dass Katzen, die von klein auf nur drinnen waren plötzlich unbedingt raus wollen. Dem kann man höchtens mit einer frühzeitigen Kastration (7-10 Monaten) entgegenwirken.
Auch ob das Tier ruhig und zurückhaltend oder eher ein Draufgänger ist, kann man kaum am ersten Eindruck erkennen, denn wenn das Jungtier von der Mutter und den Geschwistern getrennt wird, befindet es sich ja dann in einer für es vollkommen neuen Situation.
In jedem Fall sollte man vor der Anschaffung einer Katze immer bedenken, dass man sich für ein Haustier mit sehr viel Einfühlungsvermögen, Intelligenz aber auch einem eigenen Kopf entschieden hat, welches sich nur bedingt oder garnicht erziehen lässt. Im Gegenteil - nach ein paar Monaten werden Sie erschreckt bemerken, dass SIE sich der Katze angepasst haben! Dann können Sie harmonisch mit Ihrem Stubentiger zusammen leben :-).
Ich bin prinzipiell dagegen, Katzenbabies einzeln zu halten. Ein Mensch kann einer Katze nie den Spielgefährten ersetzen - überlegen Sie also genau, wie lang Sie außer Haus sind (Arbeit, Freizeit) und bedenken Sie, wie lange diese Zeit für ein verspieltes, aktives Katzenkind wird. Spielzeug ist schön und gut, aber nur mit Spielsachen ist kein Kätzchen glücklich und ausgelastet, es benötigt Aufmerksamkeit und Zuwendung wie wir Menschen auch!
Aus unausgelasteten, gelangweilten Katzenkindern werden oft aggressiv wirkende GROßE Katzen, die beim Spielen in Hände und Füße beissen, was eigentlich nur ihrem natürlichen Beutefang/Spielverhalten entspricht. Aber was man bei einer kleinen Katze noch gerne belächelt (wenn sie z.B. am Finger kaut) findet bei einer erwachsenen Katze keiner mehr lustig, oft trägt man richtige Verletzungen davon. Wenn von Anfang an eine zweite Katze dabei ist, balgen und toben sie in der Regel untereinander und sehen den Besitzer als Dosenöffner und Schmusepartner an, nicht aber als Ringkampfgegner :).
Nicht selten gibt es das Problem, das Katzen in die Wohnung urinieren, bevorzugt auf Couch oder Bett! Wenn das der Fall ist, hat die Katze/der Kater meist ein Problem! Falls er/sie noch nicht kastriert ist sollten Sie das nun tun, dann erledigt sich das Problem oft wieder! Falls nicht, überlegen Sie zunächst, ob das Tier oft einsam ist und ob sie seinen Ansprüchen gerecht werden. Je jünger das Tier ist, um so mehr Beschäftigung braucht es natürlich.

Vielleicht würde es aber auch gerne draussen herumstromern, also quasi Freigang haben. Gerade, wenn der Frühling erwacht werden viele Katzen nervös, sie hören die Vögel und riechen die Frühlingsluft, das lockt natürlich nach Draussen - das kennen wir ja von uns selber!
Aber nicht immer ist es möglich, ein Tier gefahrlos rauszulassen, gerade in Großstädten geht das meistens nicht. Versuchen Sie dennoch, Ihrem Stubentiger ein sicheres Plätzchen mit Frischluft anzubieten, z.B. mit einem durch Fliegendraht gesicherten Fenster oder einem Balkon, der aber zur Sicherheit des Tieres mit einem Netz gesichert sein sollte. Zu oft passiert es, dass Katzen, meist in einem unachtsamen Moment, das Gleichgewicht verlieren und in die Tiefe stürzen. Die Konsequenz ist meist, dass das Tier verletzt ist oder vor Schreck davonläuft und lang oder für immer verschwunden bleibt! Also, besser einmal 50-60 Euro in ein Schutznetz investiert als hunderte Euro beim Tierarzt!
Achtung:
Auch Kippfenster werden immer wieder zur tödlichen Gefahr für junge, neugierige Katzen!!!
Vielleicht sind Sie ja auch bereit, einem bereits ausgewachsenen Tier ein neues Zuhause zu geben, in allen Tierheimen warten ganzjährig dutzende Hauskatzen aber auch immer mehr Rassekatzen auf ein neues Herrchen/Frauchen! Sie haben z.B. den Vorteil, dass sie nicht mehr allzuviele Flausen im Kopf haben und man in der Regel schon weiß, was sie mögen/gewöhnt sind oder nicht (kinderlieb, reine Wohnungskatze, ist es gewohnt ein paar Stunden allein zu bleiben etc.).
Außerdem sind die Katzen dort schon tierärztlich versorgt und bereits kastriert und geimpft!
Also, schauen Sie doch mal in Ihr örtliches Tierheim rein, ich selbst habe in meinem Leben ausschliesslich "second-hand-Tiere" aufgenommen und alle sind in kürzester Zeit ganz tolle Familienmitglieder geworden!!!
Hier nochmal eine Checkliste für die Anschaffung einer Katze:
- Sind Sie und/oder andere Familienmitglieder bereit, wenigstens 2 Stunden am Tag für die Pflege und Versorgung (Füttern, Spielen etc.) des Tieres einzuplanen?
- Sind alle Familienmitglieder einverstanden mit der Anschaffung eines Haustieres?
Hier warne ich eindringlich vor lebenden "Geschenken", es geht dabei um Lebewesen, die vom Umtausch ausgeschlossen sind und daher sollte man sich sein Haustier immer selber aussuchen!
- Können Sie einer Katze genug Platz bieten?
Bei kleineren Wohnungen sollte sie wenigstens alle Zimmer mit benutzen dürfen oder man sollte eventuell eher ein älteres Tier nehmen, Jungkatzen sollten mindestens 60qm zur Verfügung stehen!
- Können Sie die notwendigen Tierarztkosten aufbringen?
Kastrationskosten liegen derzeit zwischen 80 und 100 Euro, für Impfungen und Entwurmungen müssen pro Jahr ca. 60-70 Euro veranschlagt werden. Diverse Infekte oder Verletzungen sind NIE ausgeschlossen!
Dazu kommen natürlich noch Kosten für Futter und Streu, sowie einmalig Kosten für Kratzbaum, Katzentoilette und Transportbox!
- Sind Sie bereit Ihre Wohnung, besonders bei kleine Katzen, so zu sichern, dass Ihrem Liebling keine Gefahr droht? (siehe oben bei: "Balkone und Fenster sichern"; keine giftigen Pflanzen)?
- Was passiert mit Ihrem Haustier, wenn Sie in Urlaub fahren?
Katzen bleiben am liebsten in ihrer gewohnten Umgebung. Daher ist es besonders bei 2 Katzen ideal, wenn Sie in der Wohnung versorgt werden. Falls Sie nur eine haben oder niemand die Tiere daheim versorgen kann, fragen Sie gerne bei uns oder einer anderen Tierpension an. In den Sommermonaten empfehlen wir eine sehr frühzeitige Anmeldung.
Wer nicht so weit weg oder immer an den selben Ort fährt kann auch versuchen, seine Samtpfote mit auf Reisen zu nehmen, nicht alle aber einige machen das gerne mit!
- Sind Allergien bekannt bzw. zu erwarten oder steht demnächst Nachwuchs an?
Tun Sie dem Haustier in spe den wichtigen Gefallen und klären Sie vorher ab, ob jemand in der Familie eine Tierhaarallergie hat. Besuchen Sie einfach Bekannte mit Haustieren oder gehen Sie ins Tierheim.
Falls Sie in den nächsten Jahren Nachwuchs planen, machen Sie sich vorher kundig über Hygiene in der Schwangerschaft! Es spricht garnichts dagegen, schwanger und Katzenbesitzer zu sein, die Toxoplasmose ist ausschliesslich über den Kot der Tiere ansteckend und dem kann man mit Gummihandschuhen vorbeugen. Ferner kann der Tierarzt bei jeder Katze einen Toxoplasmosetiter bestimmen, die meisten haben garkeinen!
Leider verbreiten immer noch zu viele Gynäkologen Angst und Schrecken mit Fehlinformationen zur Toxoplasmose!
Für Kinder ist es meiner Meinung nach nur ein Gewinn, mit Tieren aufzuwachsen, aber wer in dieser Beziehung anders denkt oder Angst hat, sollte sich dann keine Katze anschaffen. In beiden Fällen ist es für die Katze ein Hieb auf ihre empfindliche Seele, denn sie landet dann in der Regel im Tierheim! Beugen Sie dem vor, in dem Sie auch vorrausschauend planen!
- Sind Sie bereit, eine so langjährige Verantwortung auf sich zu nehmen?
Katzen können problemlos bis zu 20 Jahren alt werden. Bedenken Sie das, bevor Sie leichtfertig eine Mieze adoptieren!